Das wahre Glück finden - doch wo hat es sich versteckt?

Teil 1 - Über Laura, den Star der Geschichte

Meine Geschichte beginnt an einem nassgrauen tr?ben Novembertag. Ich sitze in meiner Wohnung, trinke gerade einen hei?en Tee und denke ?ber mein Leben nach.
Irgendwie scheint alles seinen Lauf zu nehmen, doch oft habe ich das Gef?hl, dass mich niemand vorher fragt, ob ich das eigentlich genau so will.
Ich f?hle mich gerade wie eine siebenundvierzigj?hrige Frau mitten in der Midlife-Crises, und das, obwohl ich erst vierundzwanzig bin.
Eigentlich habe ich gar keinen Grund, mich zu beschweren. Ich habe einen festen Job in einer Bibliothek, einen gutaussehenden Freund, eine wunderbare Familie die immer zu mir h?lt und viele Freunde. Trotzdem finde ich gerade irgendwie alles total schlecht.
Meinen Job, obwohl er mir Spa? macht. Ich sehe die ganzen uralten Leute durch die B?cherreihen schlendern, wie sie mit kritischen Blicken die Buchr?cken durchlesen und das Buch dann wieder mit entsetztem Blick zur?ck in die Ablage legen.
Mich hat es schon immer gest?rt, dass haupts?chlich alte Menschen in Bibliotheken gehen und das die Jugend dem Lesen rein gar nichts mehr abgewinnen kann. Doch jetzt gerade erscheint es mir wie eine b?se Vorahnung, dass ich jeden Tag umzingelt sein werde von Menschen, die schon seit zehn Jahren ihre Rente bekommen... Ich inmitten von Halbleichen. Und das die n?chsten vierzig Jahre!
Weiter schweifen meine Gedanken zu meinem Freund. Er hei?t Sven, ist achtundzwanzig Jahre alt und seit zwei Jahren fertig mit seinem Jurastudium. Seit etwa einem halben Jahr arbeitet er erfolgreich in einer gutlaufenden Kanzlei. Wir sind jetzt seit fast vier Jahren zusammen und seit einiger Zeit empfinde ich ihn als immer langweiliger.
Er ist genau das, was man von einem Anwalt erwartet. Immer korrekt, immer ordentlich, immer nett und brav. Erst fand ich das toll, jetzt finde ich es gar nicht mehr so spitzenm??ig. Es w?re viel spannender, wenn er auch mal die Sau rauslassen w?rde.
Aber das zu erwarten, w?re mit Sicherheit zuviel verlangt. Seine Hobbys sind auch nicht gerade das, was man als spannend bezeichnen w?rde.
Angeln, Fu?ball anschauen, Kreuzwortr?tsel l?sen und Geschichtsb?cher lesen sind noch die spannndsten davon. Wenn ich mich anstrenge, schaffe ich es alle neun Monate einmal, ihn dazu zu bringen, mit mir ins Kino zu gehen.
Meine Eltern finden ihn nat?rlich klasse, schlie?lich h?tte ich bei ihm eine nahezu gesicherte Zukunft zu erwarten. Auch das erscheint mir gerade todlangweilig. W?re es nicht sehr viel aufregender, wenn man nicht genau w?sste, was die Zukunft bringt?
Mit meiner Familie komme ich nat?rlich trotzdem bestens klar. Ich bin ja auch einerseits ganz froh, dass sie Sven so gern haben. Meine Mutter Nina ist schon seit ich denken kann Hausfrau. Mit meinen vier Geschwistern und mir hatte sie ja auch immer genug um die Ohren. Felix, mein Vater, arbeitet seit ?ber drei?ig Jahren als freiberuflicher G?rtner. Das hei?t, um es genauer zu erkl?ren, dass er von etwas reicheren Leuten Gartenw?nsche aufgetragen bekommt, und die dann in deren G?rten umsetzt.
Sein K?nnen hat sich schon lange herumgesprochen und somit war er auch ma?geblich an der Versch?nerung unseres Stadtparks beteiligt. Durch Mundpropaganda - und weil der Stadtpark wohl vielen Leuten gut gef?llt - kam er so auch wieder an viele neue Kunden.
Sophie, Jennifer, Lars und Bernd sind meine vier Geschwister. Zwei davon, n?mlich Sophie und Bernd wohnen noch zuhause. Die anderen beiden sind ?lter als ich und somit noch l?nger aus dem Haus. Da wir alle f?nf ein sehr gutes Verh?ltnis zu unseren Eltern haben, feiern wir immer noch alle zusammen jedes Jahr Weihnachten und Silvester.
Ich wohne nur knapp drei?ig Kilometer von meinen Eltern weg, deswegen kommt es auch so oft genug vor, dass ich sie zu Kaffee und Kuchen besuchen fahre. Dieses Wochenende wird das wieder so sein und gerade habe ich den Entschluss gefasst, dass ich mit meiner Mutter unbedingt mal sprechen muss. Nicht ?ber unsere Familie oder derartiges, nein, ich werde ihr meine Sorgen und N?te mitteilen. Dar?ber, dass ich gerade meinen Job nicht mag und mir auch nicht mehr so sicher bin, dass Sven der Mann meiner Tr?ume ist. Wahrscheinlich wird sie geschockt reagieren, oder mir erkl?ren, dass es nur eine kurze Phase ist. Doch ich sp?re, dass da mehr dahinter steckt. Mehr als nur ein gerade passt mir mein Leben nicht. Es f?hlt sich so an, als h?tte ich das Leben von vornherein in eine falsche Richtung gelenkt. Und jetzt ist vielleicht noch die letzte Chance, das Ruder herumzurei?en und es anders weitergehen zu lassen.
Zufrieden dar?ber, dass ich diesen Entschluss gefasst habe, trinke in den letzten Schluck meines Tees aus und mache mich dann daran, die W?sche zu waschen.

- Fortsetzung folgt -

2.11.06 13:47

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