Das wahre Glück finden - doch wo hat es sich versteckt?

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Kleine Einleitung

Laura ist mit ihrem Leben unzufrieden und sucht dringend einen Ausweg, um aus dem ganzen Schlamassel wieder herauszukommen.
Eigentlich d?rfte sie sich nicht beklagen, hat sie doch alles, von dem jede normale junge Frau tr?umt. Doch sie will mehr, will endlich etwas erleben...
Doch was muss sie daf?r tun, damit ihr Traum nach etwas mehr Freiheit in Erf?llung geht?
Sie wei? es selbst nicht so genau...

Also... wollt ihr dabei sein, wenn Laura versucht, ihr Leben anderweitig zu gestalten? Prima, dann lest einfach den n?chsten Blogeintrag.

2.11.06 12:32, kommentieren

Teil 1 - Über Laura, den Star der Geschichte

Meine Geschichte beginnt an einem nassgrauen tr?ben Novembertag. Ich sitze in meiner Wohnung, trinke gerade einen hei?en Tee und denke ?ber mein Leben nach.
Irgendwie scheint alles seinen Lauf zu nehmen, doch oft habe ich das Gef?hl, dass mich niemand vorher fragt, ob ich das eigentlich genau so will.
Ich f?hle mich gerade wie eine siebenundvierzigj?hrige Frau mitten in der Midlife-Crises, und das, obwohl ich erst vierundzwanzig bin.
Eigentlich habe ich gar keinen Grund, mich zu beschweren. Ich habe einen festen Job in einer Bibliothek, einen gutaussehenden Freund, eine wunderbare Familie die immer zu mir h?lt und viele Freunde. Trotzdem finde ich gerade irgendwie alles total schlecht.
Meinen Job, obwohl er mir Spa? macht. Ich sehe die ganzen uralten Leute durch die B?cherreihen schlendern, wie sie mit kritischen Blicken die Buchr?cken durchlesen und das Buch dann wieder mit entsetztem Blick zur?ck in die Ablage legen.
Mich hat es schon immer gest?rt, dass haupts?chlich alte Menschen in Bibliotheken gehen und das die Jugend dem Lesen rein gar nichts mehr abgewinnen kann. Doch jetzt gerade erscheint es mir wie eine b?se Vorahnung, dass ich jeden Tag umzingelt sein werde von Menschen, die schon seit zehn Jahren ihre Rente bekommen... Ich inmitten von Halbleichen. Und das die n?chsten vierzig Jahre!
Weiter schweifen meine Gedanken zu meinem Freund. Er hei?t Sven, ist achtundzwanzig Jahre alt und seit zwei Jahren fertig mit seinem Jurastudium. Seit etwa einem halben Jahr arbeitet er erfolgreich in einer gutlaufenden Kanzlei. Wir sind jetzt seit fast vier Jahren zusammen und seit einiger Zeit empfinde ich ihn als immer langweiliger.
Er ist genau das, was man von einem Anwalt erwartet. Immer korrekt, immer ordentlich, immer nett und brav. Erst fand ich das toll, jetzt finde ich es gar nicht mehr so spitzenm??ig. Es w?re viel spannender, wenn er auch mal die Sau rauslassen w?rde.
Aber das zu erwarten, w?re mit Sicherheit zuviel verlangt. Seine Hobbys sind auch nicht gerade das, was man als spannend bezeichnen w?rde.
Angeln, Fu?ball anschauen, Kreuzwortr?tsel l?sen und Geschichtsb?cher lesen sind noch die spannndsten davon. Wenn ich mich anstrenge, schaffe ich es alle neun Monate einmal, ihn dazu zu bringen, mit mir ins Kino zu gehen.
Meine Eltern finden ihn nat?rlich klasse, schlie?lich h?tte ich bei ihm eine nahezu gesicherte Zukunft zu erwarten. Auch das erscheint mir gerade todlangweilig. W?re es nicht sehr viel aufregender, wenn man nicht genau w?sste, was die Zukunft bringt?
Mit meiner Familie komme ich nat?rlich trotzdem bestens klar. Ich bin ja auch einerseits ganz froh, dass sie Sven so gern haben. Meine Mutter Nina ist schon seit ich denken kann Hausfrau. Mit meinen vier Geschwistern und mir hatte sie ja auch immer genug um die Ohren. Felix, mein Vater, arbeitet seit ?ber drei?ig Jahren als freiberuflicher G?rtner. Das hei?t, um es genauer zu erkl?ren, dass er von etwas reicheren Leuten Gartenw?nsche aufgetragen bekommt, und die dann in deren G?rten umsetzt.
Sein K?nnen hat sich schon lange herumgesprochen und somit war er auch ma?geblich an der Versch?nerung unseres Stadtparks beteiligt. Durch Mundpropaganda - und weil der Stadtpark wohl vielen Leuten gut gef?llt - kam er so auch wieder an viele neue Kunden.
Sophie, Jennifer, Lars und Bernd sind meine vier Geschwister. Zwei davon, n?mlich Sophie und Bernd wohnen noch zuhause. Die anderen beiden sind ?lter als ich und somit noch l?nger aus dem Haus. Da wir alle f?nf ein sehr gutes Verh?ltnis zu unseren Eltern haben, feiern wir immer noch alle zusammen jedes Jahr Weihnachten und Silvester.
Ich wohne nur knapp drei?ig Kilometer von meinen Eltern weg, deswegen kommt es auch so oft genug vor, dass ich sie zu Kaffee und Kuchen besuchen fahre. Dieses Wochenende wird das wieder so sein und gerade habe ich den Entschluss gefasst, dass ich mit meiner Mutter unbedingt mal sprechen muss. Nicht ?ber unsere Familie oder derartiges, nein, ich werde ihr meine Sorgen und N?te mitteilen. Dar?ber, dass ich gerade meinen Job nicht mag und mir auch nicht mehr so sicher bin, dass Sven der Mann meiner Tr?ume ist. Wahrscheinlich wird sie geschockt reagieren, oder mir erkl?ren, dass es nur eine kurze Phase ist. Doch ich sp?re, dass da mehr dahinter steckt. Mehr als nur ein gerade passt mir mein Leben nicht. Es f?hlt sich so an, als h?tte ich das Leben von vornherein in eine falsche Richtung gelenkt. Und jetzt ist vielleicht noch die letzte Chance, das Ruder herumzurei?en und es anders weitergehen zu lassen.
Zufrieden dar?ber, dass ich diesen Entschluss gefasst habe, trinke in den letzten Schluck meines Tees aus und mache mich dann daran, die W?sche zu waschen.

- Fortsetzung folgt -

2.11.06 13:47, kommentieren

Teil 2 - Flüchten?

Im Radio l?uft gerade Let Me Entertain You, w?hrend ich vor der Waschmaschine stehe und die dreckige W?sche nach und nach in die Trommel stopfe. Robbie Williams hat es schon immer geschafft, dass ich bei jedem Lied automatisch gute Laune habe.
Laut singend h?re ich es gar nicht, wie Sven nach Hause gekommen ist. Pl?tzlich steht er hinter mir, tippt mich kurz an der Schulter an und fragt: "Na, alles klar?"
Sofort verschwindet meine gute Laune. "Ja, nat?rlich, alles klar." Er nickt zustimmend und geht dann langsam in Richtung Wohnzimmer. "Dann ist ja alles paletti. Was gibt es zu essen?" Ich merke, wie sich meine Laune langsam dem Nullpunkt n?hert. Sven kommt und sagt na, wie geht's?, Sven nimmt hin, dass es mir gut geht, Sven will Essen haben. Jeden Tag dieselbe Leier. Mein Bauch sagt mir, dass ich den Frust jetzt nicht herunterschlucken sollte.
"Ich habe nichts zu essen gekocht."
Sofort verstummen die Schritte. Er ist stehengeblieben und fragt sich wahrscheinlich, ob er wirklich richtig geh?rt an. Ich stelle mir vor, wie er dasteht, sich im Ohr rumpult und nach dem sag-das-nochmal-Schalter sucht.
"Du hast nichts gekocht? Warum denn nicht?" In seiner Stimme spiegelt sich ganz deutlich eine gewisse Unwissenheit mit. Es ist ja nichtmal ein Wunder, dass er das alles nicht verstehen kann. Schlie?lich wei? er nichts von meinen Gedanken und meinen Zweifeln. Und au?erdem habe ich die letzten zwei Jahre, in denen wir nun schon zusammenwohnen, bisher jeden Tag ohne Gemurre gekocht. Doch heute hatte ich eben keine Lust.
"Mir fiel nichts gescheites ein. Au?erdem dachte ich mir, k?nntest du doch auch mal etwas kochen!"
Er lacht schallend. "Laura, du wei?t ganz genau, dass ich nicht kochen kann! Komm, du gehst schnell noch was im Supermarkt besorgen und ich k?mmere mich solange weiter um die W?sche." L?chelnd hockt er sich neben mich, so als h?tte er gerade die Idee des Jahrhunderts gehabt. Gerade, als ich ihm sagen will, dass ich die Idee schlecht finde, f?ngt er an, an den Schaltern der Waschmaschine rumzufummeln. "Schatz... ?hm, was muss man denn nochmal einstellen...?"
In mir brodelt es, wenn er sich jetzt nicht in Luft aufl?st, gibt es ein Donnerwetter. Er l?st sich nicht auf. "Das ist ja mal wieder typisch! Du und deine tollen Ideen! Nichtmal umsetzen kannst du sie! Wir haben diese Waschmaschine jetzt seit ?ber eineinhalb Jahren und du wei?t immer noch nicht, wie man sie richtig einstellt. Mein Gott, wie d?mlich kann man denn sein?" W?tend drehe ich die Kn?pfe an die richtige Position und schon rattert die Waschmaschine los. Sven schaut mich fassungslos an.
"Was... was hast du denn?"
Ich hasse diesen ?ngstlichen Blick von ihm. Jedesmal, wenn wir uns streiten, schaut er mich so an. Wie ein kleiner Hund den man zuvor gescholten hat, weil er ins Zimmer gemacht hat. Als k?nnte er es wirklich nicht verstehen, dass ich auch mal seine Vorschl?ge schlecht finden kann. Nein, das geht ja nicht. Weil es sind ja nunmal seine und er ist der Gott! Wie konnte ich nur so dumm sein, und mich jemals in ihn verlieben? Und dann auch noch Hals ?ber Kopf! Manchmal sollte man wirklich erst sein Gehirn einschalten und dann handeln... "Was ich habe? Schlechte Laune! Und warum? Wegen dir!" Ich stehe auf und st?rze aus dem Bad. Keine Sekunde l?nger will ich ihn sehen!
Im Hinausst?rmen greife ich nach meiner Jacke, schnappe mir meine Handtasche und laufe dann nach drau?en. Es ist bitterkalt und zudem regnet es noch.
Wieder einmal verfluche ich die Stadt Dortmund! Egal, wo man in dieser gottverdammten Stadt wohnt, es ist einem nicht m?glich, in der N?he der eigenen Wohnung zu parken. Nach dem ich drei Minuten durch den Dauerregen gelaufen bin, komme ich klitschnass an meinem Auto an. Doch wo soll ich jetzt hin? In Gedanken klappere ich alle meine Freunde ab. Meine Entscheidung f?llt auf Alexandra. Bei ihr sind meine Sorgen immer gut aufgehoben.
Es dauert circa f?nfzehn Minuten, bis ich endlich bei Alexandra ankomme. Bl?der Feierabendverkehr!
Ich dr?cke immer noch recht aufgeregt aufs Klingelschild und bete innerlich daf?r, dass sie da ist. Nach einer schier endlosen Zeit h?re ich den Surrer. Prima, sie ist also da.

- Fortsetzung folgt -

1 Kommentar 3.11.06 13:37, kommentieren

Teil 3 - Frauengespräche

Ich renne die drei Treppen zu ihrer Wohnung hinauf und atme erleichtert aus, als ich Alexandra angelehnt im T?rrahmen stehen sehe. "Hey, Alex!", keuche ich.
"Laura? Was machst du denn hier? Komm rein!"
Mein Blick schweift ?ber Alex, w?hrend ich nicke und an ihr vorbei in die Wohnung gehe. Irgendwie sieht sie anders aus. Besser. Ob sie einen neuen Freund hat? "Gut siehst du aus", stellte ich deswegen auch halb l?chelnd f?r sie und mich fest.
"Danke. Du siehst daf?r gerade grottenschlecht aus, sorry." Sie nimmt mir meine nasse Jacke ab, h?ngt sie an die Garderobe und geht dann zielstrebig ins Wohnzimmer. "Erz?hl, was ist passiert?"
Alex kennt mich ziemlich gut, sie wei? ganz genau, dass ich nie einfach so vorbei schauen w?rde. "Ach, irgendwie ist alles gerade total schei?e! Ich hab Stress mit Sven! Und irgendwie macht mich das auf der einen Seite traurig und auf der anderen Seite f?hlt es sich richtig gut an, verstehst du?"
Sie runzelt die Stirn. "Nein, verstehe ich nicht! Wieso f?hlt es sich auf einmal richtig gut an, wenn du dich mit Sven streitest? Ich dachte, ihr beide seid gl?cklich zusammen."
"Ja, nun, sind wir ja eigentlich auch. Wir sind schon fast zu gl?cklich... Also zumindest sollten wir das eigentlich sein. Wir haben beide einen Job, streiten uns selten, unsere Familien m?gen uns und wenn alles so weiter geht, wie es bisher l?uft, k?nnten wir in ein paar Jahren damit anfangen, s??e Kinder in die Welt zu setzen."
"Aber...?"
"Das ist doch widerlich! Sven ist mein erster Freund und mit dem soll ich nun den Rest meines Lebens verbringen? Zumal er sich immer mehr zu einem Langweiler entwickelt."
Alex runzelt die Stirn. "Inwiefern ist er jetzt zu sehr Langweiler?"
Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schie?t, verwerfe ich gleich wieder. Ich kann doch Alex unm?glich erz?hlen, dass Sven eine absolute Niete im Bett ist. "Na ja, wei?t du", stottere ich suchend nach der richtigen Beschreibung, "man kann eben nichts gescheites mit ihm unternehmen. Das einzige, wof?r ich ihn vielleicht noch begeistern k?nnte, w?re ein Besuch im Museum! Aber wer geht denn bitte mit vierundzwanzig in ein Museum und findet das noch gut? Also ich bestimmt nicht."
Sie steht auf, geht in die K?che und kommt kurze Zeit sp?ter mit einer Flasche Wein in der Hand wieder. "Was h?lst du von einem guten Schluck Wein?"
Ich mustere das Etikett. Ein Riesling. Klingt gut. "Gute Idee, schenk ein!"
Die n?chsten zwei Stunden sitzen wir beide da und trinken gen?sslich zwei Flaschen Wein leer. Ich kotze mich so richtig aus bei Alex. Erz?hle ihr beinahe alles was mich bedr?ckt und f?hle mich nach einiger Zeit richtig gut und erleichtert. Sie kann mich gut verstehen und stimmt mir in vielen Punkten zu. Mir f?llt erst jetzt so richtig auf, dass ich ihr fr?her nie viel von Sven erz?hlt habe. Er war halt mein Freund, der Rest war nicht weiter wichtig. F?r irgendwelche Fernsehabende oder nette gemeinsame Unternehmungen mit Freunden war Sven sowieso nie zu haben. Deswegen war das auch nie ein Thema gewesen und Alex kannte ihn so gut wie gar nicht.
Nach einiger Zeit stellt sich dann auch heraus, dass ich mit meiner Idee richtig lag. Alex hat seit zwei Wochen einen neuen Freund und schwebt wie auf Wolke sieben. Wenn ich nicht gerade mit dem Gedanken spielen w?rde, die Sache mit Sven ein f?r alle mal zu beenden, k?nnte ich mich sogar ein kleines bisschen mehr f?r Alex freuen. Wenn ich mich nicht t?usche, ist die Gute seit ?ber einem Jahr Single gewesen.
Um zweiundzwanzig Uhr beschlie?e ich, dass es langsam an der Zeit ist, wieder nach Hause zu fahren. Nach Hause zu Sven, was f?r ein furchtbarer Gedanke!

- Fortsetzung folgt -

7.11.06 17:55, kommentieren

Teil 4 - Eine schlaflose Nacht steht bevor

Alex versucht mich noch zu ?berreden, dass ich ?ber Nacht bei ihr bleibe. Ich erkl?re ihr immer wieder, dass das zwar an sich eine ganz gute Idee ist, doch dass es mir letztlich nichts bringen wird, wenn ich mich vor der bevorstehenden Auseinandersetzung dr?cken will.
Also bedanke ich mich bei ihr f?r den sch?nen Abend, dr?cke sie ganz fest und w?nsche ihr in den n?chsten Tagen viel Spa? mit ihrem neuen Freund.
Mit einem mulmigen Gef?hl steige ich ins Auto. Es wird ein richtiges Donnerwetter geben, wenn ich nach Hause komme. Entweder wird Sven schon im Bett liegen und schlafen und so tun, als w?re nichts gewesen, oder aber er sitzt wach vor dem Fernseher und wird mir eine Predigt dar?ber halten, wie sehr er sich doch Sorgen um mich gemacht hat. Ich werfe einen Blick auf mein Handy. Angerufen hat er mich nicht. Nicht, dass er das nachher behaupten will!

Um kurz vor halb elf biege ich in unsere Stra?e ein. Seltsamerweise finde ich sofort einen recht guten Parkplatz. Vielleicht will das Schicksal, dass ich diesen Abend noch schnell hinter mich bringe.
Im Wohnzimmer brennt noch Licht. Sven ist also noch auf.
Als ich im Flur stehe und meine Jacke aufh?nge, ?berlege ich, ob ich gleich ins Wohnzimmer gehen soll um ihn anzuschreien, oder ob ich mich einfach ins Bett legen soll um zu schlafen.
Ich entscheide mich f?r das Anschreien. Erstens, weil ich ihn im Moment gerne anschreien will und zweitens, weil ich sowieso nicht einschlafen k?nnte.
Sven sitzt auf dem Sofa und schaut mit heller Begeisterung eine uralte Folge von Emergency Room. Das hat er schon immer gerne geschaut. Die ersten einhundert Folgen besitzt er sogar auf Video.
Als er mich bemerkt, verschwindet sein L?cheln aus dem Gesicht. "Laura, da bist du ja endlich! Was war denn vorhin nur los mit dir? Ich hab mir schon Sorgen um dich gemacht!"
Da war es, dieser Satz, der einfach nicht stimmen konnte. Ich hab mir schon Sorgen um dich gemacht! So ein Bl?dsinn! H?tte er sich wirklich Sorgen um mich gemacht, w?re ja sogar er wohl auf die Idee gekommen, einfach mal bei allen meinen Freundinnen anzufragen, ob ich dort vielleicht gelandet bin.
"Du fragst mich allen ernstes, was ich vorhin hatte?! Das solltest du eigentlich mitbekommen haben! Mich kotzt im Moment so ziemlich alles an, was man mit dir auch nur ansatzweise in Verbindung bringen k?nnte! Unsere Beziehung ist nicht mehr das, was sie mal war, Sven. Wei?t du eigentlich, wielange es schon her ist, als ich mich das letzte Mal dar?ber gefreut habe, als du abends nach Hause gekommen bist?"
Er schaut mich mit seinem typischen, fragenden Dackelblick an und ich m?chte am liebsten reinschlagen. Nat?rlich wei? er das nicht! Woher auch? Ich hab bisher immer so getan, als w?re alles in Ordnung.
"Du wei?t es nicht, ist mir schon klar. Wenn du willst, kann ich es dir ja sagen. Oder nein, rate doch mal!"
Er zuckt mit den Schultern. Als ein lautes Lachen aus dem Fernseher erklingt, besitzt er doch tats?chlich die Frechheit, auf den Bildschirm zu gucken. "Sieh mich gef?lligst an, wenn ich mit dir rede", br?lle ich. Er regt mich so auf. Ich f?hle mich wie eine Bombe, die kurz vor der Explosion steht. Sicherlich bin ich schon ganz rot angelaufen im Gesicht.
"Ja, ist ja gut, mein Schatz", versucht mich Sven zu beruhigen.
"Ich bin nicht dein Schatz! Und wenn du es wissen willst: Es ist bestimmt schon ?ber ein Jahr her!" W?tend drehe ich mich um, knalle die T?r zum Wohnzimmer zu und br?lle noch ein "Viel Spa? bei Emergency Room" hinterher.

- Fortsetzung folgt -

1 Kommentar 11.11.06 22:24, kommentieren

Teil 5 - Bleib mir vom Leib

W?tend starre ich an die Wand im Flur. Am liebsten w?rde ich mit den F?usten gegen die Wand trommeln und dabei laut schreien. Aus R?cksicht zu den Nachbarn lasse ich das nat?rlich sein. Das Geschrei wird sowieso schon f?r Gespr?che sorgen und ich bin mir jetzt schon sicher, dass mich die Nachbarn die n?chste Zeit sehr misstrauisch anschauen werden. Schlie?lich sind sie solche Wutausbr?che von mir nicht gewohnt.
Nach dem ich f?nf Minuten mit verschr?nkten Armen im Flur gestanden habe, begebe ich mich leise seufzend ins Schlafzimmer und werfe mich aufs Bett.
Ich hoffe f?r Sven, dass er im Wohnzimmer bleibt und es nicht wagt, die Nacht neben mir im Bett verbringen zu wollen. In genau diesem Moment h?re ich, wie der Fernseher ausgeht und Sven sich dem Schlafzimmer n?hert.
"Schatz?", fragt er vorsichtig.
Keine Antwort.
"Schatz?", diesmal ein wenig energischer.
Keine Antwort.
Ich sp?re, wie er mir mit seiner kalten Hand durch die Haare streicht. Dieses beruhigende Streicheln, was man vielleicht bei einer aufgeregten Katze oder seinem schreienden Baby macht. Ich k?nnte kotzen!
"Schatz, nun sei doch nicht so!" Er setzt sich auf die Bettkante. "Ich versteh ja immer noch nicht, was mit dir los ist! Aber k?nnen wir das nicht friedlich kl?ren?"
Friedlich kl?ren. Wie langweilig. Mir ist immer noch danach, meine F?uste zu benutzen. Jetzt schreien sie aber mehr danach, sie auf seinen Oberk?rper prasseln zu lassen. Die Wand erscheint mir weniger verlockend. Mit ger?teten Wangen drehe ich mich zu ihm um, hole tief Luft und versuche dann, halbwegs normal zu ihm zu sprechen. "Nein, wir k?nnen das nicht friedlich kl?ren. Alles haben wir in der Vergangenheit friedlich gekl?rt und immer war es zu deiner Zufriedenheit. Ich habe aber auch W?nsche! Und mein erster Wunsch ist es, dass du deine verdammten H?nde von mir nimmst!"
Ruckartig zieht er sie zur?ck. "Ist ja schon gut. Was habe ich denn falsch gemacht?"
"Viel zu viel! Eigentlich alles, was man falsch machen kann! Deine ganze Art geht mir derzeit m?chtig gegen den Strich. Du willst immer nur korrekt sein, ordentlich sein... vermutlich auch todlangweilig sein. Zumindest bist du das! Der brave, stets gut gekleidete und ordentliche Jurist von nebenan! Nur leider bist du nicht nebenan, sondern hier mit mir in dieser Wohnung. Und ich bin mir sehr sicher, dass das nicht mehr lange so sein wird." Ich will aufstehen, aus dem Zimmr gehen, da sp?re ich seine Hand an meinem Arm. Scheinbar glaubt er wirklich, er k?nnte mich aufhalten.
In seinen Augenwinkeln schimmern kleine Tr?nen. Wenn er jetzt auch noch anf?ngt zu heulen, kann ich f?r nichts garantieren! Ich hasse es, wenn M?nner bei einem Streit anfangen zu heulen!
"Liebling, warum sagst du denn sowas?" Man h?rt deutlich einen weinerlichen Unterton.
"Ich sage es, weil es wahr ist! Und h?r gef?lligst auf zu heulen! Du bist doch kein kleines Kind mehr, dass bei einem etwas h?rteren Tonfall gleich heulen muss, oder? Weinst du im Gerichtssaal auch immer, wenn irgendjemand Sachen auspackt, gegen die du etwas hervorbringen musst?"
Stumm schaut er mich an. Seine haselnussbraunen Augen mustern mich vorsichtig. Da w?re es mir schon fast lieber, wenn er wieder anfangen w?rde zu weinen...

- Fortsetzung folgt -

1 Kommentar 14.11.06 22:54, kommentieren

Teil 6 - Die schonungslose Wahrheit

"Das kannst du doch jetzt nicht damit vergleichen, Schatz! Au?erdem finde ich es ein wenig unfair, dass du mich jetzt auf einmal mit solchen Dingen konfrontierst!"
Er findet es unfair! Und ich soll mich jetzt vermutlich f?r meinen Wutausbruch entschuldigen, dann in die K?che gehen und Spaghetti kochen und die Welt ist wieder in Ordnung. Aber die Nummer zieht nicht mehr!
"Es interessiert mich nicht, ob du das unfair findest! Ich habe es satt, einen Langweiler wie dich als meinen Freund bezeichnen zu m?ssen!"
Mit verengten Augen schaue ich auf ihn herab. Ich f?hle mich auch gerade viel gr??er, m?chtiger und st?rker als er.
"Erinnerst du dich eigentlich daran, wie lange es her ist, als wir das letzte Mal gemeinsam etwas unternommen haben?"
Ich bekomme ein z?gerliches nein als Antwort. Warum war mir das nur vorher schon klar? Gerade will ich ihm den letzten Tag nennen, da f?llt mir ein, dass selbst ich mich nicht dran erinnern kann. Fassungslos ?ber diese traurige Wahrheit setze ich mich neben ihn auf das Bett.
"Siehst du", sage ich zu ihm und diesmal klingt meine Stimme neutral und nicht etwa zu laut, "nichtmal ich kann mich einfach so daran erinnern."
Meine Gedanken kreisen um die letzten beiden Monate. Doch es will mir partout kein Tag einfallen, an dem Sven und ich etwas gemeinsam unternommen haben.
Erschrocken dar?ber, dass unsere letzte gemeinsame Unternehmung an einem Badesee gewesen sein muss, schaue ich ihn an. "August."
"August?", fragt er vorsichtig nach.
"Ja, im August waren wir schwimmen. Am Badesee, wei?t du nicht mehr?"
"Doch, klar", schwindelt er. Im L?gen ist er schon immer schlecht gewesen.
"Und an dem Tag haben wir auch zuletzt etwas gemeinsam unternommen. ?hnlich lange d?rfte es her sein, als wir das letzte Mal miteinander geschlafen haben!"
Geschockt guckt er mich an, so als h?tte ich gerade etwas verbotenes gesagt. "Na ja, man muss ja nicht immer etwas unternehmen! Und Sex ist mir sowieso nicht so wichtig!"
Langsam kehrt meine Wut wieder zur?ck. "Du hast Recht, Sven. Immer muss man auch nicht etwas unternehmen. Man muss auch nicht jeden Tag Sex haben! Aber wir unternehmen ja nichtmal einmal im Monat was zusammen! Und Sex haben wir noch seltener! Meinst du, so stelle ich mir den Rest meines Lebens vor? W?re ich ein Mann, h?tte ich genauso gut eine Gummipuppe heiraten k?nnen! Aber selbst mit der h?tte man vermutlich mehr Spa?! Die m?sste man zumindest nicht ?berreden, wenn man mal Lust auf Sex hat!"
"Wir k?nnen ja jetzt, wenn du willst...?"
Ich klatsche mit meiner flachen Hand gegen meine Stirn und zeige ihm anschlie?end den Vogel. "Sag mal, Sven, willst du mich verarschen? Du glaubst doch nicht allen ernstes, dass ich jetzt nach diesem Gespr?ch noch Lust auf Sex mit dir habe!"
Er schaut mich triumphierend an. "Ich habe mal geh?rt, Vers?hnungssex soll der beste ?berhaupt sein!"
"Oh mein Gott", rufe ich. Das ist das einzige, was mir dazu noch einf?llt.
Seufzend stehe ich auf, schnappe mir die Bettdecke und ein Kopfkissen und verlasse dann wortlos das Zimmer.
"Was ist denn nun?", br?llt Sven mir hinterher.
"Ich schlafe im Wohnzimmer. Gute Nacht!" Demonstrativ ?ffne ich noch einmal die Schlafzimmert?r und knipse dann das Licht aus.
Auf dem Sofa mach ich es mir schlie?lich gem?tlich und h?nge noch ein wenig meinen Gedanken nach. Irgendwie f?hle ich mich gut, nach dem nun fast alles gesagt wurde.
Zum Gl?ck ist morgen schon Donnerstag. Am Freitag werde ich meine Sachen packen und bis auf weiteres zu meiner Mutter fl?chten. Vorher werde ich Sven allerdings noch einiges um die Ohren werfen! Er soll ruhig richtig begreifen, dass unsere Beziehung derzeit nur noch an einem seidenen Faden h?ngt.

- Fortsetzung folgt -

2 Kommentare 22.11.06 18:26, kommentieren